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Unterrichtseinheit zu den Relevanzkriterien der Wikipedia

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
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Die Relevanzkriterien der Wikipedia (Regeln, in denen festgelegt ist, welche Voraussetzungen ein Gegenstand erfüllen sollte, damit er einen Artikel in der Wikipedia rechtfertigt) wurden Ende Oktober 2009 zum Gegenstand einer heftigen Debatte zwischen Mitgliedern des Chaos Computer Clubs und Vertretern der Wikipedia. Ein Mitglied des Chaos Computer Clubs, der IT-Sicherheitsexperte Felix von Leitner, hatte sich auf seinem Blog (Fefes Blog) über die Löschdiskussion über einige Artikel in der Wikipedia beklagt. Das mündete bald in eine umfassende Diskussion ein, in der der Wikipedia Zensur nachgesagt wurde.

Diese Diskussion bietet Ansatzpunkte, sich intensiver mit dem Thema Zensur im Internet und der Rolle von Relevanzkriterien in einem Lexikon zu befassen.

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtsidee

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Eine Behandlung des Themas kann sich auf den Aspekt Internetzensur beschränken. Dann genügt eine Diskussion der Thesen unter A. Wenn das Thema Zensur in der Wikipedia behandelt werden soll, empfiehlt sich zusätzlich die Behandlung der Abschnitte B und C.

A) Diskutiert folgende Thesen:

  1. Damit ein Internetlexikon etwas aussagekräftiger ist als ein bloßes Suchmaschinenresultat, sind Minimalkriterien für Qualität und Relevanz des Gegenstandes nötig.
  2. Alle neugeschriebenen Artikel, die nicht offenkundigen Unsinn enthalten, sollen beibehalten werden. Alles andere wäre Zensur.

B) Bearbeitet folgende Aufgaben:

  1. Informiert euch über die Unterschiede zwischen geprüften und gesichteten Artikeln sowie Artikelentwürfen.
  2. Informiert euch über die unterschiedlichen Aufgaben und Rechte von Administratoren, erfahrenen Benutzern.
  3. Gebt an, was ihr von einem Internetlexikon erwartet.
  4. Wie kann man diese Eigenschaft des Lexikons erreichen?

C) Diskutiert nun folgende Thesen zur Wikipedia:

  1. Man sollte Artikel mit niedrigerem Status zulassen, die dementsprechend gekennzeichnet sind.[1]
  2. Alle Benutzer der Wikipedia sollten gleichen Status haben.

Material:

Zitat 1:

Nicht wenige stellen sich die Frage, ob die Wikipedia überhaupt Relevanzkriterien braucht, und wenn ja, ob sie so weitreichende braucht. Vertreter dieser Denkrichtung werden als Inkludisten bezeichnet. Die wichtigste Forderung der Inkludisten besteht darin, umstrittene Artikel erst einmal zu lassen, bevor ihre Berechtigung nicht auf breiter Front in Frage gestellt wird („im Zweifel für den Angeklagten“). Allerdings wird damit ein sehr weiter Bereich abgedeckt, nämlich von Artikeln wie dem zu MOGIS (gemeinnütziger Verein, der öffentlich in Erscheinung getreten ist) bis hin zum Fliesenleger aus Delmenhorst, der einfach mal einen WP-Artikel über seinen Dreimannbetrieb schreibt.

Einigkeit zeichnet sich darüber ab, dass die „Kaste“ der Löschbeamten gründlich ausgemistet werden muss. Eine selbstherrliche Bürokratenriege, die fast schon mit faschistoidem Duktus operiert, gehört nicht in die Wikipedia und steht quer zu der ganzen Richtung, in die sich das Netz entwickelt. Die Frage dagegen, ob es Relevanzgrenzen geben soll, und wenn ja, wo genau sie anzusetzen sind, wird wohl noch weiter für Uneinigkeit sorgen.


Stefan Münz auf dem Blog Webkompetenz

Zitat 2:

Noch eine Sache, die mich stört ist dieses Administratorenbashing. Es gibt keine echte Gruppe der Admins. Das ist ein inkohärenter Haufen mit den unterschiedlichsten Ansichten, Mentalitäten, Arbeitsweisen und Projektauffassungen. Es gibt nicht “die” Admins. Viele von ihnen machen diesen nicht leichten Job in sehr verantwortungsvoller Weise. Manche sind natürlich auch etwas in ihrem Blickfeld beschränkt und halten in ihrem eigenen Fachbereich alles für relevant, in anderen Bereichen schwingen sie aber fleissig die Löschkeule. Nicht schön – aber am Ende wäre die Wikipedia ohne auch mal strenge Admins eine Müllhalde.

Marcus Cyron auf dem Blog Aggregat 7

Zitat 3

Wie gesagt, Wikipedia ist eigentlich eine postmoderne Enzyklopädie ohne ideologische Mission. Akribische Abhandlungen über physikalische Phänomene stehen neben Artikeln zu Pornofilmen, mittelalterlichen Handschriften und seltsamen Rockbands. Will man hier Aufnahmekriterien im Sinne eines Bildungskanons festlegen, kommt man schnell in Teufels Küche. Nein, es sind nicht Relevanz-, sondern "Hierum können und wollen wir uns kümmern"-Kriterien, für die die Weisheit der Massen irgendwann einen griffigeren und präziseren Namen finden wird.

Kurt Jansson, von 2004 bis 2009 Erster Vorsitzender des Vereins Wikimedia Deutschland, in Spiegel online, 11.12.09

Links:

a) Relevanzkriterien

b) Relevanzkriterien und fefes Blog

c) Diskussion zum Thema

Anmerkungen

  1. Eine recht differenzierte Lösung wird von poelzi vorgeschlagen und dort in Kommentaren diskutiert. Diese Diskussion nachzuvollziehen, ist freilich etwas zeitaufwändig.