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Schülerfeedback

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Schülerfeedback bedeutet eine Rückmeldung (Feedback) von Schülerinnen und Schülern (allgemeiner: Lernenden) über den Unterricht. Im engeren Sinne ist damit eine unter bestimmten Fragestellungen erfolgende Rückmeldung möglichst aller Teilnehmer einer Klasse oder eines Kurses über zurückliegenden Unterricht gemeint. Diese hat gegenüber einzelnen, oft spontanen Rückmeldungen dern Vorteil, dass solch eine Rückmeldung reflektierter und unabhängig von momentanen Befindlichkeiten erfolgen kann.

Inhaltsverzeichnis

Über Schülerfeedback

Das Wort Schülerfeedback stößt bei nicht wenigen Kollegen und Kolleginnen auf Skepsis und Ablehnung, zumal mit diesem Begriff - nicht zuletzt auch in der Öffentlichkeit - Sachverhalte wie Lehrerschelte, Lehrerbe- und Lehrerverurteilung assoziiert werden und der Eindruck entsteht, als erhielten mit diesem Verfahren SchülerInnen als Kinder und Jugendliche das uneingeschränkte, legitimierte Recht, über Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale der Lehrperson völlig subjektiv zu urteilen und Noten zu verteilen.

Entgegen diesem Vorurteil liegt dem systematischen Schülerfeedback ein ganz bestimmtes Verständnis von Unterricht zugrunde: Unterricht ist ein gemeinsamer Arbeitsprozess von Schülern/Schülerinnen und Lehrern/Lehrerinnen. Schüler mit Methoden des Feedbacks vertraut zu machen, bedeutet, ihnen den Blick für ihren Part und ihren aktiven Einfluss im Unterricht zu öffnen und sie in die gemeinsame Verantwortung für das Unterrichtsgeschehen und seine Ergebnisse einzubinden. Der Lehrer/die Lehrerin erhält die Chance, die Selbstwahrnehmung durch Fremdwahrnehmung zu ergänzen, blinde Flecken kennen zu lernen und die Rückmeldung für Veränderung in der Steuerung von Lernprozessen zu nutzen. Insofern ist Schülerfeedback unter Einübung und Einhaltung einer entsprechenden Kommunikationsstruktur ein Instrument,

  • die Eigenverantwortung des Schülers/der Schülerin zu stärken
  • den Ablauf von Arbeits- und Lernprozessen zu durchschauen (Feedbackgeben bedeutet immer auch das Lernen lernen) und:
  • die Qualität von Unterricht im Rahmen eines ernstgemeinten Dialogs begründet zu verbessern

In diesem Sinne können an Stelle von Befürchtungen und Ablehnung, Neugierde und gemeinsames Experimentieren treten.


Ll logo20.gif Schülerfeedback, 23.06.2006

Methoden

Schülerinnen und Schüler bewerten Unterricht, geben also ein Schülerfeedback. Dies kann durch geeignete Verfahren und Arbeitsblätter sinnvoll unterstützt werden.

Beobachtungsbogen für ein Feedback

Um ein Schülerfeedback sinnvoll und vorbereitet durchführen zu können, bietet sich folgender Beobachtungsbogen als Unterstützungsinstrument während der Beobachtung an. So werden keine wichtigen Details des Verhaltens des Feedback-Nehmers vergessen und es bietet zudem eine gute Orientierung.

Fragebogen

Hintergrund:

Beispiele:

Feedback-Brief

→ Abschiedsbrief
  • Die Schülerinnen und Schüler schreiben der Lehrerin bzw. dem Lehrer einen Brief.
  • Variante Telegramm: Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Aufgabe ihr Feedback im Telegrammstil zu verfassen.
  • Variante Twitter: Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihr Feedback in 140 Zeichen. (kurz fassen!)

Positives und Negatives

Einfaches Arbeitsblatt: Die Schülerinnen und Schüler erhalten ein Arbeitsblatt, auf dem sie Positives und Negatives vermerken können. - Noch einfacher ist natürlich, dass die SuS einfach ein eigenes leeres Blatt nehmen oder ein leeres Blatt bekommen, auf dem sie in zwei Spalten oder oben und unten Positives und Negatives notieren.

Vorteile
Dies Verfahren kann auch ohne oder mit nur sehr geringer Vorbereitung durchgeführt werden.
Nachteile
Mögliche Ideen, die nicht unter Positives oder Negatives passen, bleiben, wenn sie nicht dennoch zusätzlich geäußert werden, draußen vor.
Alternative
Zusätzlich zu Positives und Negatives gibt es eine weitere Rubrik für Wünsche und/oder Ideen (bzw. Vorschläge).

positiv - negativ - Wünsche und Ideen

Eine einfache, schnell anzuwendende und sinnvolle Form des Feedbacks ergibt sich, wenn die Schüler und Schülerinnen auf einem vorbereiteten oder einem leeren Blatt (DIN A4) zu drei Grundfragen Stellung nehmen:

  1. Was war positiv?
  2. Was war negativ?
  3. Welche Wünsche und Ideen hast du in Bezug auf das nächste Halbjahr / Schuljahr?

Diese einfache Struktur hat folgende Vorteile:

  • Die Fragestellungen sind sehr offen und lassen viel Spielraum: Es können Themen, Methoden, Lehrer- und Schülerverhalten benannt werden.
  • Es braucht kein Fragebogen vorbereitet und kopiert zu werden: Die Lehrkraft nennt die Fragestellungen und schreibt sie als Stichworte an die Tafel (eventuell verkürzt auf: "+", "-", "?!") und die Schülerinnen und Schüler benötigen nur ein leeres DIN-A4-Blatt dafür.

Bewährt hat sich folgendes Vorgehen nach den Prinzipien des kooperativen Lernens:

1. Schritt
Einzelarbeit: Jeder notiert (in z. B. 5 oder 10 Minuten) die eigenen Gedanken.
2. Schritt
Gruppenarbeit: In der Tischgruppe stellt nacheinander jeder seine Gedanken vor und erläutert sie kurz. Anschließend einigen sich die Personen in der Tischgruppe auf die jeweils drei wichtigsten Aussagen zu den drei vorgegebenen Fragestellungen und halten diese auf einem Ergebnisblatt für die Gruppe fest.
3. Schritt
Plenum: Jeweils ein (nach Zufallsprinzip ausgewählter) Teilnehmer trägt das Ergebnis seiner Tischgruppe vor. Diese Aussagen werden stichwortartig durch Schüler oder die Lehrkraft an der Tafel festgehalten, sodass schließlich ein Überblick über die wichtigsten Schülermeinungen entsteht.
Anschließend kann über einzelne Aussagen noch gesprochen werden. Es sollte aber nicht irgendetwas nachträglich gerechtfertigt werden. Denn zum Grundprinzip eines solchen Feedbacks gehört, die Rückmeldungen erst einmal als solche zu akzeptieren. Sinnvoll kann es nur sein, eventuell Nachfragen zu einzelnen Aussagen zu stellen oder z.B. über die Realisierbarkeit einzelner Vorschläge gemeinsam nachzudenken.
Tipp
Die Lehrkraft sollte einen Schüler bzw. eine Schülerin bitten, das Tafelbild auf einem Blatt festzuhalten, um dies dann für sich selbst als Stundenergebnis mit nach Hause nehmen zu können, da sonst eventuell am Stundenende oder in der nachfolgenden Pause nicht ausreichend Zeit dafür bleibt.

Ein kurzes Feedback in dieser Form kann in leicht abgewandelter Fragestellung auch am Anfang eines Schuljahres stehen, wenn man einen Kurs oder eine Klasse neu übernimmt. So erfährt man Einiges über Vorerfahrungen und Einstellungen sowie Vorlieben und Schwächen der jeweiligen Lerngruppe, was für den weiteren Unterricht hilfreich sein kann. - Eine typische Situation hierfür ist, dass man am Anfang der Oberstufe einen Deutschkurs übernimmt, dessen Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht nur aus unterschiedlichen Lerngruppen der eigenen Schule, sondern auch aus unterschiedlichen Schulen und Schulformen kommen.

Votum mit Farben

Von der Lehrerin bzw. vom Lehrer wird eine Schüssel mit verschiedenfarbigen Holzkugeln bereitgestellt (Ampel oder nur rot/grün), außerdem ein hohes Glasgefäß. Die Schüler bewerten den Unterricht beim Rausgehen, indem sie sich eine Kugel wegnehmen und in das Glas geben. Anhand der Farbgebung hat der Lehrer einen guten (und anonymen) Überblick. Vorteil: geht sehr schnell.

Variante

Die SuS kleben verschiendenfarbige Klebepunkte oder auch gleichfarbige aber an unterschiedlichen Stellen auf ein großes vorbereitetes Plakat an der Wand.

Tiere als Metaphern

Die Schülerinnen und Schüler malen die Lehrerin bzw. den Lehrer als Tier.

Votum-Ei

→ Votum-Ei

Das Votum-Ei ist eine einfache, schnelle und effiziente Methode, mittels derer die Schülerinnen und Schülern Unterricht bewerten können. Das Votum-Ei lässt sich schnell an die Tafel malen. Die Schülerinnen und Schüler können dann zeichnerisch mittels Kreuzchen abgestuft eine Rückmeldung abgeben. Das so eingeholte Stimmungsbild kann dann beispielsweise im Plenum reflektiert werden, um zu prüfen, was zukünftig besser gemacht werden kann. Die Methode eignet sich für einzelne Stunden bzw. überschaubare Sequenzen.

Zeugnis

Die Schülerinnen und Schüler erhalten ein Arbeitsblatt und können so dem Unterricht ein Zeugnis ausstellen.

Meinungen

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Meine Erfahrungen mit Schülerfeedback sind durchweg positiv.

Während ich ursprünglich annahm (also: befürchtete), dass Schülerinnen und Schüler, die am Ende eines Halb- oder Schuljahres eingeforderte Bewertung meines Unterrichts dazu nutzen könnten, sich einmal so richtig "auszukotzen" (zumindest in meinem ersten Fall, einem 13. Jahrgang nach abgeschlossener Notengebung), konnte ich die erfreuliche Erfahrung machen, dass natürlich einerseits Schwächen meines Unterrichts klar benannt wurden, aber gleichzeitig auch Stärken hervorgehoben wurden und dabei durchaus Details gesehen wurden, von denen ich entweder angenommen hatte, dass dies sowieso niemand bemerkt haben würde, oder die mir zum Teil selbst gar nicht (so sehr) bewusst waren.

In der Konsequenz kann ich seitdem souveräner mit Schülerkritik umgehen und die Bereitschaft, mich selbst der Kritik zu stellen, trägt, so empfinde ich es, zu einem besseren Unterrichtsklima bei.

Ich versuche natürlich, Konsequenzen aus dem Schülerfeedback zu ziehen, muss allerdings immer wieder betonen, dass dennoch zumeist nur einige Kleinigkeiten geändert werden können, aus "langweiligem" Unterricht also nicht automatisch das Gegenteil werden kann. Aber alleine die Bereitschaft, darüber zu reden kann zu einem besseren Lehrer-Schüler-Verhältnis beitragen. Und auch kleine Änderungen können ja durchaus schon eine spürbare Wirkung haben. --Karl.Kirst 09:03, 11. Jun. 2009 (UTC); überarbeitet --Karl.Kirst 11:45, 6. Sep. 2009 (UTC)


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Literatur

  • Fundgrube Deutsch. Neue Ausgabe. Hrsg. von Gerd Brenner. Berlin: Cornelsen Scriptor 2006, S. 236-240.
  • Schülermitbeteiligung im Fachunterricht. Englisch, Geschichte, Physik und Chemie aus der Perspektive der Lehrer und Schüler (Studien zu Bildung und Gesellschaft, Band 22) Hrsg. von Meinert A. Meyer und Ralf Schmidt, Opladen Leske + Budrich 2000 (Inhaltsverzeichnis)

Linkliste

Siehe auch