Teamkompetenz

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Im Rahmen der Zeit, die eine Lehrkraft mit ihren Schülerinnen und Schülern hat, kann sie diese durchaus in ihrem Lernen fördern. Ohne sich jedoch mit anderen Lehrkräften über Ziele, Unterrichtsformen und -materialien, Regeln und Rituale, Formen der Leistungsrückmeldung und -bewertung, Diagnoseverfahren etc. abzustimmen und ohne den Austausch über die einzelnen Schülerinnen und Schüler zu suchen, wird die gezielte individuelle Förderung an Grenzen stoßen.

Dabei kann die Arbeit im Team, das gegenseitige Hospitieren im Unterricht und der Austausch von Erfahrungen und Materialien, die Abstimmung der didaktisch-methodischen Gestaltung von Unterrichtsreihen die einzelne Lehrkraft spürbar entlasten: Die Erich Kästner Realschule plus in Ransbach-Baumbach dokumentiert bspw., wie die eingeführten Teamstrukturen zu einem Mehr an Entlastung, Kreativität, gegenseitigem Vertrauen, Zusammenarbeit und Miteinander geführt haben. Zudem können durch konsequente Teamarbeit Lernprozesse aus Sicht der Schüler kohärenter gestaltet werden. Die Kompetenz und der Wille im Team zu arbeiten, sind deshalb essentiell.

In der pädagogischen Konzeption der vierzügigen Erich Kästner Schule bilden Teams die Schwerpunkte der schulinternen Organisations- und Kommunikationsstruktur. Die so genannte „Planungsgruppe“ klärt dabei die grundsätzlichen Eckpunkte der pädagogischen Konzeption und ist für das Qualitätsprogramm zuständig. Das „Beratungsteam“ berät die Schulleitung in wichtigen Angelegenheiten. Das Kernteam (die Klassenlehrer einer Klassenstufe), das Klassenstufenteam (alle Lehrer einer Klassenstufe) und die Spontan-Teams sowie das Inno(vations)-Team stellen sich den speziellen sozialen, unterrichtlichen und pädagogischen Problemen einzelner Klassen, Klassenstufen oder der gesamten Schule.

Mit der Teamstruktur sollen an der Erich Kästner Schule konkret folgende Ziele erreicht werden:

  • Aufbau und Stärkung der informellen kollegialen Kommunikationsstruktur korrespondierend mit dem Abbau von Ängsten und Hemmungen;
  • Einleitung und Fortsetzung des schulinternen Entwicklungsprozesses durch bessere Nutzung der persönlichen Ressourcen;
  • Verbesserung der Unterrichtsqualität und Aufbau einer neuen Lernkultur;
  • vom „Ich und meine Klasse“ zum „Wir und unsere Klassenstufe/Schule“;
  • Aufbau und Stärkung einer auf Gemeinsamkeit beruhenden pädagogisch–unterrichtlichen Denk- und Handlungsweise hinsichtlich der gesamten Klassenstufe;
  • Gemeinsamkeit in Planung und Durchführung von verändertem Unterricht, Unterrichtsprojekten, Aktionen, Vorhaben, Elterninitiativen, Fortbildungen und Lernkompetenztraining;

Zur Homepage der Schule: http://www.eks.bildung-rp.de/index2.php
Zum Toolbox-Baustein „Teamstrukturen zur Unterrichtsentwicklung“ http://www.toolbox-bildung.de/Kurzbescheibung.120.0.html

Die Praxis an den Schulen sieht vielfach noch anders aus: Anne Ratzki berichtet in „Lernen über Grenzen“, wie beeindruckt internationale Besucher an deutschen Schulen von der Gruppenarbeit der Schülerinnen und Schüler waren. Bei den Lehrkräften überraschte es sie hingegen "dass so wenig gegenseitige Information über den Unterricht und Unterrichtsvorhaben stattfand, dass Lehrerinnen und Lehrer sich nicht über Materialien austauschten. Jeder Lehrer fühlte sich alleine verantwortlich für seinen Unterricht und blieb auf sein eigenes Fach zentriert.“ (Ratzki: 2009)

Dienstbesprechungen und Konferenzen, Absprachen in Fach- und Jahrgangsteams werden häufig als zusätzliche zeitliche Belastung wahrgenommen, da die Arbeitszeit der Lehrkräfte ausschließlich nach Unterrichtsstunden bemessen wird und „Zeit für Teamarbeit auf Kosten von Freizeit geht.“ Hier braucht es ein Umdenken und ggf. auch ein anderes Modell zur Bemessung der Lehrerarbeitszeit, das gemeinsame Planungszeit genauso berücksichtigt wie Korrekturaufwände.

Fazit:

  • Teamarbeit braucht Zeit, bringt aber auch eine Entlastung mit sich
  • Ohne Teamarbeit kann individuelle Förderung nur eingeschränkt an einer Schule verankert werden
  • Teamarbeit selbst muss gelernt werden, professionelle Lerngemeinschaften (Helmke: 2009) müssen ihren Aktionsraum selbst definieren und gestalten