Portfolio

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Zum Begriff

Portfolio (lat.) von „portare folium“ = etwas, womit man Blätter tranportieren kann. Nach Paulson, Paulson und Meyer (1991) beschreibt ein Portfolio "eine zielgerichtete Sammlung von Schülerarbeiten, welche die Anstrengung des Lernenden, den Lernfortschritt und die Lernresultate auf einem oder mehreren Gebieten zeigt. Die Sammlung schließt die Beteiligung des Schülers bei der Auswahl der Inhalte, Aufstellung der Kriterien für die Auswahl und zur Beurteilung sowie selbstreflexive Gedanken ein." Es handelt sich dementsprechend um eine Mappe, in der je nach dem, ob es ein Entwicklungsportfolio oder Bewertungsportfolio ist, (Zwischen)Ergebnisse, Verschriftlichungen, Einschätzungsbögen etc. gesammelt werden.

Somit kann ein Portfolio als Reflexionsinstrument für den Schüler und/oder als Bewertungsgrundlage für den Lehrer verwendet werden. Darüber hinaus kann es als Fördeinstrument eingesetzt werden, welches hilft, Stärken und Schwächen zu identifizieren und einen daran angelehnten Lern- oder Förderplan zu entwickeln.

Wesentliche Merkmale und Prinzipien

  • Darstellung (Dokumentation) der Leistungen bzw. Lernfortschritte
  • Reflexion der Lernfortschritte (Schüler denken über ihre Lernerfolge, -wege, -probleme nach, schreiben sie auf und sprechen mit anderen darüber)
  • Partizipation: Schüler sind an der Organisation, Planung und Durchführung des Unterrichts beteiligt.
  • Selbststeuerung des Lernens: Schüler erwerben die Fähigkeit, ihren Lernprozess selbst zu planen und eigenständig zu steuern

Portfolio-Typen

Grundsätzlich kann man zwei Portfolio-Typen unterscheiden: das Prozess- und das Produktportfolio. Diesen können jeweils weitere Portfolio-Formen zugeordnet werden. Zur Verdeutlichung folgt jeweils ein Beispiel:

Prozess-Portfolio

Dieses Portfolio dokumentiert, analysiert und beschreibt den Lernprozess eines Schülers. Herbei soll besonders die Fähigkeit des Schülers gefördert werden, seinen Lernprozess zu reflektieren. Die Schüler machen sich sowohl vor als auch nach dem Arbeitsprozess Gedanken über ihr eigenes Lernen: „Welche Probleme hatte ich beim Lernen? Wie habe ich sie gelöst? Welche Erwatungen stelle ich an mein Lernen in Zukunft?

Entwicklungsportfolio

Ziel ist es, die Lernentwicklung und den Wissenserwerb eines Schülers aufzuzeigen. Es enthält Arbeiten im Rohzustand, die lediglich als Konzept vorliegen und fertige Produkte. Sie sollen zeigen, was ein Schüler über einen längeren Zeitraum gelernt hat. Diese prozessorientierte Portfolio-Arbeit eignet sich als Einführung in die Portfolioarbeit.

Produkt-Portfolio

Hier werden Arbeiten ausgewählt und gesammelt, von denen der Schüler glaubt, dass sie ihm besonders gut gelungen sind und das sie seine Bemühungen, Fortschritte und Leistungen am besten zeigen. Beim Produkt-Portfolio spielt beides eine Rolle: das fertige Lernprodukt und der Lernprozess. So kann es neben den Arbeitsprodukten auch die Entwicklung des Wissens und die methodischen Fertigkeiten dokumentieren.

Vorzeige-Portfolio

Enthält die besten Arbeiten eines Schülers, d.h. solche, die ihn besonders stolz machen. Der Schüler muss die Auswahl schriftlich begründen, d.h. sie stellen die Auseinandersetzung mit den gewählten Werken dar, ihre Beziehung zu ihnen. Es muss also deutlich werden, warum der Schüler ausgerechnet dieses Arbeitsprodukt für gelungen hält.


Phasen der Portfolioarbeit

  • Gemeinsame Klärung der Ziele, die mit dem Portfolio verfolgt werden. Der Lehrer gibt dabei die inhaltliche Richtung vor, z.B. „Lyrische Texte der deutschen Musik“. Die Schüler können nun eine persönliche Forscherfrage formulieren, die sie in Bezug auf die inhaltliche Richtung interessiert. Z.B.: „Wie entstand der deutsche Hip Hop/Rock/… und was bedeuten die Texte?“ „Wie gehen deutsche Interpreten mit philosophischen Fragen in ihren Texten um?“. Das Ziel der Portfolioarbeit ist es nun, die Antwort auf diese individuelle Forscherfrage selbstständig zu finden und überzeugend darzustellen.
  • Gemeinsames Festlegen der Bedingungen, die für das Arbeiten an den Portfolios gelten. Sammlung von Kriterien, die als Richtlinien für die Erstellung und Beurteilung des Portfolios dienen soll: z.B. Inhalt, Umfang, äußere Form, sprachliche Gestaltung. Der Inhalt des Portfolios kann in 4 Kategorien eingeteilt werden: 1) Pflichtaufgaben (die im Unterricht gestellt/bearbeitet werden). Z.B.: Metrische Analyse eines lyrischen Textes, Interpretation eines lyrischen Textes, Biographie eines Songwriters, Rezension. 2) Arbeitsergebnisse, die die Schüler eigenverantwortlich und freiwillig anfertigen (auch außerhalb des Unterrichts). Sie müssen allerdings auf die Forscherfrage abzielen. 3) Rückmeldungen und Kommentare vom Lehrer, Mitschülern (Protokolle der Beratungsgespräche). 4) Reflexionen der Schüler über den Lernprozess und Selbstbeurteilungen ihrer Ergebnisse bzw. Produkte.
  • Beginn des Arbeitsprozesses: Die Schüler erstellen ihren persönlichen Arbeitsplan. Sie beginnen mit einer Sammlung von Informationen (in unterschiedlichen Medien), die der Beantwortung der Forscherfrage dienen.
  • Auswertung der Sammlung und Anfertigung eigener Arbeiten. Danach Auswertung der aussagekräftigsten Arbeiten und schriftliche Begründung der Wahl und der Vorgehensweise.
  • Reflexion des Lern- und Arbeitsprozesses und Beratung (siehe unten) durch andere (Lehrer, Mitschüler). In Beratungsgesprächen (mindestens zwei) tauschen sich die Schüler mit anderen über ihre Methoden und die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit aus. Das kann z.B. auch in Form einer Schreibkonferenz geschehen.
  • Präsentation des Portfolios vor der Klasse oder außerhalb: die Schüler stellen ihre Arbeitsergebnisse vor und berichten von ihren Lernerfahrungen. Die Präsentationen sind ein wichtiger Bestandteil und kann in eine Beurteilung/Bewertung mit einfließen. Die Schüler sollen dabei die Präsentationen sorgfältig vorbereiten und ihre Präsentationstechniken verbessern.
  • Eine ausführliche Beurteilung durch den Lehrer sollte bestmöglich in einem Gespräch erfolgen. Wichtig ist, dass der Schüler ein nachvollziehbares Feedback über die Qualität seines Portfolios (seiner Leistungsmappe) erhält. Das Feedback stützt sich dabei auf die anfangs festgelegten Kriterien. Diese Beurteilung kann auch in eine Note münden.

Beratung

Lehrer und/oder Mitschüler treten in einen Dialog mit dem Schüler über seine Arbeiten und geben ihm Tipps für die Weiterarbeit. Der Mappeninhalt wird gründlich auf Stärken und Schwächen hin überprüft. Zu Beginn des Gesprächs sollte zunächst der Schüler zu Wort kommen und seine Sichtweisen und Überlegungen darlegen. Danach sollte der Berater zu Wort kommen. Leitfragen dabei können sein:

  • Ist das Portfolio schon gut genug?
  • Entsprechen die Arbeiten den Kriterien?

Hilfreich für Beratungsgespräche sind Hilfsmittel wie etwa ein Reflexionsbogen, der vorher vom zu beratenden Schüler, aber auch vom Berater ausgefüllt werden kann (siehe Material)

Ziele der Portfolioarbeit

  1. Erlernen des reflexiven Arbeitens (Selbstbeurteilung):
  • das eigene Lernen reflektieren können
  • Auskunft über den Lernprozess geben können (Was habe ich geplant? Wie habe ich es umgesetzt?)
  • Ableiten können von Kriterien/ Aspekten, die der Schüler beim nächsten Mal besser machen möchte
  • Die Schüler sollen lernen, Verfahren und Kriterien anzuwenden, mit deren Hilfe sie ihre eigene Arbeit und die Arbeit anderer einschätzen können
  1. Methodenkompetenzen entwickeln.
  2. Arbeiten begründet auswählen können.
  3. Das Lernen organisieren und selbstständig arbeiten können.
  4. Ordentlich und sorgfältig arbeiten können (präsentationsfähig).
  5. Eine mündliche Präsentation des Portfolios halten können.

Hinweise zur Einführung von Portfolioarbeit

Grundvoraussetzung: das Arbeiten mit Portfolios muss sowohl von den Lehrenden als auch von den Lernenden erlernt werden. Die Lehrenden fungieren eher als Begleiter und Berater, die Selbsttätigkeit der Schüler wird gefordert und gefördert. Offenere, schüleraktivere Unterrichtsformen, die eine größere Individualisierung und eine verstärkte Orientierung an den Interessen und den Lerntempi der Schüler zulassen, sind notwendig für die Portfolioarbeit. Adäquate Unterrichtskonzepte können zum Beispiel wöchentlich Blockstunden, projektorientiertes Vorgehen, Werkstattarbeit oder auch handlungsorientierter Unterricht sein.

Für den Einstieg ist es hilfreich, vorab einige Fragen zu klären:

  • Sind allgemein günstige Unterrichtsbedingungen gegeben, um mit Portfolio zu arbeiten? Besteht die Möglichkeit und Bereitschaft, freies Arbeiten bzw. offene Unterrichtsformen umzusetzen?
  • Welche Einlagen kommen im Verlauf für das Portfolio infrage?
  • Welche Zeitpunkte sollen vorgegeben werden, zu denen bestimmte Einlagen vorliegen?
  • Welche Deckblätter und Beurteilungsblätter sollen benutzt werden?
  • Welche Handlungsweisen, Muster, Kriterien können den Schülern gegeben werden, damit sie ihre Arbeit steuern und bewerten können?
  • Welche Gelegenheiten soll es geben, um wechselseitige Kontrolle und die Selbstbewertung zu üben?
  • Wann und wie soll die Auswahl der Produkte für das Portfolio erfolgen?
  • Durch welche Form der Präsentation kann der Unterricht bzw. die Portfolioarbeit abgeschlossen werden?

Materialien zur Portfolioarbeit

Quellen und weiterführende Links

Biermann, C./Volkwein, K. (Hrsg.): Portfolioperspektiven – Schule und Unterricht mit Portfolios gestalten. Weinheim und Basel 2010

Brunner, I./Häcker, T./Winter, F. (Hrsg.): Das Handbuch der Portfolioarbeit. Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung. Kallmeyer bei Friedrich. Velber 2006

Easley, S.D./Mitchell, K.: Arbeiten mit Portfolios. Schüler fordern, fördern und fair beurteilen. Verlag an der Ruhr 2004

Paulson, F. L., Paulson, P. R. & Meyer, C. A. What makes a portfolio a portfolio? Educational Leadership, 48, 60-63. 1991

Schwarz, J. u.a. (Hrsg.): Portfolio im Unterricht – 13 Unterrichtseinheiten mit Portfolio. Seelze-Velber 2008

Wiedenhorn, Th.: Das Portfolio-Konzept in der Sekundarstufe. Individualisiertes Lernen organisieren. Verlag an der Ruhr. 2007

Winter, F.: Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit Schülerleistungen. Hohengehren. 2004

portfolio-schule.de

uni-siegen.de: Lern- und Leistungsdokumentation für ALLE Kinder

Präsentation zum Workshop „Selbstständiges Lernen gestalten mit Portfolios“ (Dr. Christine Biermann und Marlene Schütte) http://www.vielfalt-lernen.de/wp-content/uploads/2011/12/WS_Portfolio_Biermann_Schuette.pdf