Pädagogische Diagnosekompetenz

Aus Vielfalt-lernen-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zu den für das Unterrichten unerlässlichen Kompetenzen gehört nach Ansicht der Unterrichtsforschung auch die diagnostische Kompetenz von Lehrkräften. Für Weinert ist sie – neben der Klassenführungskompetenz, der didaktisch-methodischen und fachwissenschaftlichen Kompetenz eine der vier Schlüsselkompetenzen (vgl. Weinert, Schrader & Helmke, 1990). Diagnostische Kompetenz wird als eine unabdingbare Voraussetzung für effektiven Unterricht im allgemeinen und individuelle Förderung im besonderen betrachtet.


Was ist Diagnosekompetenz?

Bei diagnostischer Kompetenz handelt es sich „um ein Bündel von Fähigkeiten, um den Kenntnisstand, die Lernfortschritte und die Leistungsprobleme der einzelnen Schüler sowie die Schwierigkeiten verschiedener Lernaufgaben im Unterricht fortlaufend beurteilen zu können, sodass das didaktische Handeln auf diagnostischen Einsichten aufgebaut werden kann“ (Weinert, 2000).

Es geht dementsprechend um die fortlaufende Registrierung und Einschätzung der Lern- und Leistungsfortschritte, aber auch um Lernschwierigkeiten der einzelnen Schüler innerhalb einer Lerngruppe. Helmke spricht gar von „diagnostischer Expertise“ und meint damit sowohl die Verfügbarkeit von Methoden zur Einschätzung von Schülerleistung und Selbstdiagnose als auch konzeptuelles Wissen über Urteilstendenzen und –fehler (Helmke, 2009).

Diagnostische Expertise ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil diesem Merkmal eine wichtige Rolle für die Unterrichtsgestaltung und den Unterrichtserfolg zugeschrieben wird. Leitender Gesichtspunkt ist die Adaptivität des Unterrichts, d. h. die Notwendigkeit einer Anpassung des Unterrichts an die Lernvoraussetzungen der Schüler: Der Schwierigkeitsgrad von Unterrichtsmaßnahmen, Fragen und Aufgaben muss auf die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler abgestimmt sein.


Wie können Schülerleistung und Lernfortschritte diagnostiziert werden?

Bei der Diagnose wird anhand zuvor definierter Kriterien eine Einschätzung der Lernausgangslagen und eine Beurteilung der Leistungen von Lernenden vorgenommen. Die präzise und fortlaufende Bestimmung des Lernstands ermöglicht passgenaue Fördermaßnahmen, die auf Basis der Diagnoseergebnisse geplant und umgesetzt werden können. Insofern bedingen sich Diagnose und Fördermaßnahmen gegenseitig und stehen in einem engen wechselseitigen Bedingungsgefüge. Diagnostische Maßnahmen in der Schule können sein:

  • genaue Beobachtungen und Analysen
  • differenzierte Ermittlung des Lernstandes und des Lernumfeldes
  • kontinuierliche Beobachtung des Lernprozesses
  • Erstellung eines Profils des individuellen Förderbedarfes

Als Instrumente zur Diagnose können Tests, Klassenarbeiten, Kompetenzraster, Portfolios, Lerntagebücher sowie Beobachtungs-, Analyse- und Bewertungsbögen für Schüler und Lehrer dienen. Auch Vergleichsarbeiten wie z. B. VERA können eine gute Grundlage für die Erfassung und das Training von diagnostischen Kompetenzen sein. Das IQB und das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg haben ein Online-Übungsportal erarbeitet, das Lehrkräften die Gelegenheit bietet, sich mit dem Vera-8-Raster zur Bewertung der Schreibkompetenz vertraut zu machen: http://www.iqb.hu-berlin.de/vera2?reg=r_10

Die Diagnose kann immer nur der Ausgangspunkt zur Förderung sein. Für die Förderung selbst benötigen Lehrer fachliche, didaktische, methodische und pädagogische Kompetenzen, die bei der Planung und Ausgestaltung des Unterrichts durch angemessene Lernarrangements und kompetenzorientierten Aufgaben zum Tragen kommen. Dies ist in offenen Unterrichtsformen, z. B. der Wochenplanarbeit, dem Stationenlernen oder der Freiarbeit eher möglich als in stärker instruktiven Formen des Unterrichts.


Siehe auch