Offener Unterricht

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Zum Begriff Offener Unterricht

Der Begriff des offenen Unterricht kommt ursprünglich aus dem amerikanischen und geht auf die Ideologien des "open education" zurück, die wiederum eng verwandt sind mit dem englischen Begriff "informal education". Offener Unterricht ist als Oberbegriff für Unterrichtsformen und -Methoden zu verstehen, die im Kern die Öffnung des Lehr- und Lernverhaltens meinen und die Individualität jedes einzelnen Schülers in den Vordergrund stellen.

Merkmale des Offenen Unterrichts

Entscheidend für den Offenen Unterricht sind (nach Reiß und Reiß, 1992) prozessuale Aspekte des Lernens, wobei die Fähigkeit, Aktivitäten selbstständig oder kooperativ zu planen und durchzuführen im Zentrum stehen. Als Resultat ergeben sich hieraus u. a. eine höhere Selbstständigkeit, (Lern)Motivation, Selbstreflexion, Selbst- und Mitbestimmung, kooperatives Handeln und die Entwicklung eines realistischen Selbstbildes. Der Offene Unterricht ist von unterschiedlichen Experten umfangreich beschrieben und seine Kennzeichen definiert worden:


  • Im Lehr-Lern-Prozess müssen die Prinzipien der Selbstbestimmung, der Mitbestimmung und der Solidarität in einer Folge wachsender Schwierigkeitsgrade, wachsenden Anspruchs verwirklicht werden: In der Form der Mitplanung des Unterrichts bzw. einzelner Unterrichtsphasen durch die Schüler, durch Unterrichtskritik zusammen mit den Schülern durch `Unterricht über Unterricht´.“ (Klafki, 1992, S. 77)


  • Mit dem Terminus `Offener Unterricht´ wird ein Unterricht bezeichnet, dessen Unterrichtsinhalt, -durchführung und –verlauf nicht primär vom Lehrer, sondern von den Interessen, Wünschen und Fähigkeiten der Schüler bestimmt wird, wobei der Grad der Selbst- und Mitbestimmung des zu Lernenden durch die Schüler zum entscheidenden Kriterium des Offenen Unterrichts wird.“(Neuhaus-Siemon, 1989, S. 406-407)


  • Während im lehrerzentrierten bzw. lehrerorientierten Unterricht Verlauf und Ergebnisse des Unterrichts weitgehend von der Lehrerin bzw. dem Lehrer bestimmt werden, tritt die Lehrerin oder der Lehrer im Offenen Unterricht stärker zurück, die Aktivität und die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler stehen mehr im Vordergrund. Kinder und Jugendliche sollen stärker mitverantwortlich für ihr Lernen sein. Sie erhalten im Offenen Unterricht einen größeren Handlungsspielraum und können damit über Ziele, Themenaspekte, Methoden, Medien und die Gestaltung der sozialen Beziehungen in der Klasse mitentscheiden. Der Unterricht soll zur möglichst selbstständigen, aktiven Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema führen; hierbei ist die kommunikative Gestaltung der Beziehungen zwischen den am Unterricht beteiligten Personen das tragende Fundament. Offener Unterricht ist so durch selbständiges und kooperatives, ein problemorientiertes und handlungsbezogenes Lernen der Schülerinnen und Schüler gekennzeichnet.“(Schittko, 1993, S. 165)

Begründung

Jeder Schüler ist anders und lernt anders. Die Heterogenität der Schülerschaft mit unterschiedlichen (Lern)Stärken und (Lern)Schwächen, unterschiedlicher Intelligenz, aus unterschiedlichen Kulturkreisen und unterschiedlichen sozialen und familiären Situationen begründet die Notwendigkeit für Formen des offenen Unterrichts. Da für jeden Schüler unterschiedliche Strategien der Wissensaneignung sinnvoll sind, bietet Offener Unterricht Schülern Spielräume, um ihre Lernprozesse individuell zu gestalten.

Die Rolle der Lehrkraft im offenen Unterricht

Während sich die Unterrichtsaktivität auf die Schüler verlagert, nimmt sich die Lehrkraft weitgehend zurück. Sie moderiert im Unterricht Abstimmungsphasen, fungiert als Ansprechpartner bei Fragen und Unstimmigkeiten und unterstützt wenn nötig. Darüber hinaus ist die Lehrkraft verstärkt in der Unterrichtsvorbereitung gefordert. Sie erarbeitet einen thematischen Rahmen und bereitet angepasstes Unterrichtsmaterial vor. In Reaktion auf die Gestaltungswünsche der Klasse können kurzfristige Anpassungen von Inhalten, Methoden, Räumlichkeiten und zeitlichen Abläufen notwendig sein. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität der Lehrkraft.

Ausrichtung am einzelnen Schüler

Im Rahmen des Offenen Unterrichts gibt es breite Spielräume für individuelle Förderung, da einzelne Aufgaben auf Vorkenntnisse, Lerntempo und Leistungsstand des jeweiligen Schülers abgestimmt werden können. Schüler können je nach Neugier, Interesse und Konzentrationsvermögen ihren Lernprozess individuell gestalten oder Verantwortung innerhalb der Lerngruppe übernehmen.

Formen des offenen Unterrichts

Der Begriff Offener Unterricht ist als Oberbegriff für Unterrichtsformen aufzufassen ist, denen allgemein das Prinzip der Wahlfreiheit gemein ist. Wahlfreiheit kann sich dabei(nach Zimmermann, 1998) auf die folgenden Dimensionen beziehen:

  • Lerninhalt
  • Lerntempo
  • Arbeitsmittel
  • Sozialform
  • Lernort
  • Präsentationsform
  • Möglichkeit zur Unterstützung

Beispiele für Offenen Unterricht sind Werkstattunterricht, Projektunterricht, Wochenplanarbeit, Kooperatives Lernen, Gruppenarbeit, Stationenlernen und auch die Arbeit mit Kompetenzrastern.

Literatur

  • Schittko, K.: Offener Unterricht, Offene Unterrichtsform, Öffnung von Schule - eine Begriffserklärung und Hinweise zur Umsetzung. In: Niedersächsisches Schulverwaltungsblatt 5, S. 164-167. 1993
  • Neuhaus-Siemon, E.: Offener Unterricht - eine neue pädagogische Utopie. In: Pädagogische Welt 9. S. 406-411. 1989
  • Reiß, G., Eberle, G.: Offener Unterricht, Freie Arbeit mit lernschwachen Schülerinnen und Schülern. Weinheim.´1992
  • Zimmermann, H.D. (Hrsg.): Freies Arbeiten. Reformpädagogische Impulse für Erziehung und Unterricht in Regelschulen.2. Aufl. Donauwörth. 1998

Links