Grundschule Amshausen

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Portrait: Grundschule Amshausen

Die Grundschule Amshausen ist eine Halbtagsgrundschule mit umfangreichem offenem Ganztagsangebot (OGS) in thematisch gestalteten Räumen. Ca. 180 Kinder besuchen diese Schule, dabei versteht sie sich als Schule für alle Kinder, also auch für solche mit besonderem Förderbedarf oder besonderen Begabungen. Die 13 Lehrerinnen begreifen diese Vielfalt als Chance und nutzen sie bewusst für das gemeinsame Lernen. Vor 8 Jahren bereits haben die Schulleiterin Annette Hellmann und ihre Kolleginnen sich in Richtung einer ganzheitlichen und neuen Lernkultur auf den Weg gemacht, welche auf allen Ebenen transparent umgesetzt wird. Im Fokus dieser Lernkultur steht das einzelne Kind, was zur Folge hat, dass die Kolleginnen bei der Planung und Umsetzung des Unterrichts auf Individualisierung und die Aufhebung des Gleichschrittes setzen. Demzufolge gibt es für die Jahrgänge 1 und 2 eine jahrgangsübergreifende Schuleingangsphase, in der ältere und jüngere Kinder gemeinsam mit- und auch voneinander lernen. Sitzenbleiben gibt es hierbei nicht, jedes Kind hat die Chance, im eigenen Tempo zu lernen. Hierfür stellt das Raumkonzept eine wichtige Grundlage dar.


Das Raumkonzept

Die Schule besitzt ein stringentes Raumkonzept, welches von allen Beteiligten umgesetzt wird. In der liebevollen Gestaltung der Räume und Lernumgebungen drückt sich die Wertschätzung gegenüber der Schul- und Lernumwelt, aber auch gegenüber den „Bewohnern“ aus. Viel Wert wird auf Strukturierung durch Farben und Themen gelegt. Ein in diesem Zusammenhang wichtiges Utensil ist der „runde Teppich“, der sich als „Ort der Zusammenkunft“ überall im Schulgebäude wiederfindet. So hilft er in unterschiedlichsten Bezügen, sich zu orientieren und Abläufe zu ritualisieren. Nach Erfahrung der Kolleginnen schaffen derart simple „intelligente Hilfsmittel“, die wiederkehrend in den Räumen zugegen sind, den Schulalltag erheblich zu strukturieren und zu vereinfachen.


Die Schule als lernende Institution

Die Grundschule Amshausen sieht sich selbst als lernende Institution, was sich auch in der Haltung der Lehrerinnen ausdrückt. So sind die Schulleiterin und ihr Team überzeugt, dass es sich lohnt, von den Erfahrungen und Kompetenzen erfolgreicher Schulen (deutschlandweit) und außerschulischer Partner (wie AWO/Sozialarbeit, Kindergarten, Gemeindebibliothek, …) zu lernen bzw. mit ihnen zu kooperieren. In diesem Zusammenhang ist sukzessive ein sehr enges, beständiges und kommunikatives Netz aufgebaut worden, welches kontinuierlich weitergepflegt wird. Die Ideen der Vorbilder wurden und werden intensiv im Team reflektiert und in die pädagogische Ausrichtung impliziert.


Teamkultur und Materialfundus als Schlüssel für Entwicklung

Teamgeist und Teamarbeit werden an der Grundschule Amshausen großgeschrieben. Grundlage dafür ist die gemeinsam getroffene Entscheidung, die Schul- und Unterrichtskultur zu reformieren und sich hierfür stark zu machen. Durch die jahrelange Erarbeitung des individualisierenden, ganzheitlich ausgerichteten Konzeptes ist in gemeinschaftlicher Teamarbeit ein großer Materialfundus geschaffen worden, der sehr gut aufbereitet und systematisiert ist. Jede Kollegin hat hieran intensiv mitgewirkt und die Verantwortung für einen Teilbereich, ein Thema oder ein Fach übernommen, so dass alle Klassen über eine Fülle an differenzierenden, anregenden und anschaulichen Materialien verfügen. Auch diese Sammlung wird kontinuierlich weitergepflegt und weiterentwickelt. Da sich in den Klassen durchaus bis zu zehn verschiedene Lernniveaus befinden, können die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe unterschiedlicher Diagnoseinstrumente (z.B. Schulfähigkeitsdiagnose/ Entwicklungsstands- und Lernstandsdiagnose ***) und dem umfangreichem Materialfundus individuell „dort abgeholt werden“, wo sie sich im Lernprozess befinden. Das setzt voraus, dass im Lehrerteam eine gute Kommunikation und Absprache herrscht: einerseits um einen Überblick über die Lehr- und Lernmittel zu haben und andererseits, um kontinuierlich über den Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes informiert zu bleiben. Eine anerkennende Gesprächskultur und die regelmäßigen Routinen in den Jahrgangsteams tragen intensiv dazu bei, dass dies gelingt.


Die Rollen der LehrInnen und der SchülerInnen

Durch die detaillierte Vorbereitung der Lernumgebung hat die Lehrkraft im Unterricht mehr Raum, individuell unterstützend, beratend und motivierend tätig zu sein. Hierzu trägt auch die weitgehende Aufhebung des lehrerzentrierten Unterrichts zugunsten offener Methoden wie z.B. Freiarbeit bei. Verantwortungsvolle Aufgaben werden bewusst an Schülerinnen und Schüler abgegeben; so legen die Kolleginnen viel Wert darauf, dass alle Kinder die Chance bekommen, Ihre Kompetenzen (für eine Sache, ein Thema, einen Lerninhalt) wirkungsvoll in den Unterricht einfließen zu lassen. Hierin besteht einerseits ein Mehrwert für die Kinder, die ihre Kompetenzen weitergeben können. Diese können Lerninhalte nochmals festigen, aber auch Selbstwirksamkeitserfahrungen machen. Andererseits liegt hierin auch ein Mehrwert für die Kinder, die von den Kompetenzen der anderen profitieren und sich etwas „auf Augenhöhe“ erklären lassen können. Auch die Umsetzung eines Patensystems in den jahrgangsübergreifenden Klassen, wobei jeweils ein älteres und ein jüngeres Kind ein Patenteam bilden, trägt dem Ansatz der Wertschätzung der kindlichen Kompetenzen Rechnung. Wertschätzung ist darüber hinaus ein wichtiger Schlüsselbegriff im Leitbild der Grundschule Amshausen, der sich auch aus der Sichtweise „vom Kinde aus“ ergibt und die Stärken jedes einzelnen Kindes in den Mittelpunkt rückt. Auch im Leitsatz der Schule findet sich dieser Ansatz wieder:

„Die Stärken stärken und die Schwächen schwächen.“

Diesem Leitsatz zufolge bekommen alle Kinder, auch besonders Begabte und auch Kinder mit Lernbehinderungen oder Lernschwächen gleichermaßen ganzheitliche Förderung, immer mit Blick auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit.

Schlüsselprinzipien

Eines der grundlegenden Prinzipien des Unterrichts ist die stringente Transparenz. Transparenz bezieht sich hierbei auf mehrere Ebenen. Den Kindern sowohl die Unterrichtsschritte, Unterrichtsziele als auch die Heterogenität der Klassenzusammensetzungen (z.B. in Punkto Lernbehinderung oder besonderer Begabung) transparent und nachvollziehbar zu machen, schafft laut Erfahrungen der Kolleginnen ein Gefühl der Sicherheit, aber auch Einsicht und Motivation bei den Kindern. Hierzu trägt auch das Ermöglichen und Üben von Selbsteinschätzung - ein weiterer grundlegender Aspekt – bei. Dies erleichtert den Kindern den Umgang mit eigenen Erwartungen und Zielsetzungen, sowie Erfolgen und Niederlagen und wirkt sich letztlich positiv auf das Ermöglichen von Selbstwirksamkeitserfahrungen aus. Zudem wird viel Wert auf die Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit der Kinder gelegt. Beide Prinzipien können insbesondere durch die offene Unterrichtsform gefordert und gefördert werden. Offenheit wird auch in diesem Zusammenhang zu einem Schlüsselprinzip der gesamten Schulkultur an der Grundschule Amshausen und bezieht sich auf folgende Ebenen:

Systemebene:
  • Öffnung der Jahrgangsstruktur
  • Öffnung der Schule für Kooperationen mit außerschulischen Partnern und Eltern
  • Öffnung der Schule für Weiterentwicklung (Orientierung an Best Practice Beispielen, aber auch Weitergabe der eigenen Erfahrungen)
Unterrichtsebene:
  • Offene Unterrichtsformen (Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Lernwerkstatt)
  • Offenheit (Transparenz) bzgl. der Vermittlung von Prozessen und Zielen
  • Offener Umgang mit Heterogenität
  • Offenheit und Flexibilität bzgl. der Leistungsüberprüfung
Individuelle (Lehrer)Ebene:
  • Öffnung des „eigenen“ Materialfundus´
  • Öffnung der Klassenräume für Besucher (Interessierte) und Partner (Lehrexperten)
  • Offener Austausch und Weitergabe der eigenen Erfahrungen und Kompetenzen


Auszeichnungen und besondere Konzepte

Für das grundlegende und umfassende individualisierende Konzept hat die Grundschule Amshausen 2007 das „Gütesiegel individuelle Förderung“ erhalten. Zusätzlich zu dieser Ausrichtung gibt es drei ergänzende Schwerpunkte, die auch im Schulprogramm verankert sind:

  1. Leseförderung – „Leseschule NRW“: Seit 2008 beteiligt sich die Schule an dem KMK-Projekt ProLesen und verfolgt intensiv und mit großem Erfolg das Konzept der Leseschule NRW. Bestandteile sind hierbei sowohl eine ausführliche Diagnostik mit entsprechend entwickelten Instrumenten, als auch die differenzierende und individualisierende Förderung von Lesefertigkeit, Lesefähigkeit und Lesemotivation. Hierbei spielen neben vielfältigen methodischen Ansätzen und dem Einsatz verschiedener Medien auch spezielle Aktionen und Kooperationen mit außerschulischen Partnern eine tragende Rolle. Video-Clip zum Konzept „Leseschule“: http://www.bibliothek.schulministerium.nrw.de/bibliothekundschule/leseschulenrw/pro+lesen+konzepte.htm
  2. Agenda 21: Wichtig ist der Schule auch die Sensibilisierung für und der Umgang mit ökologischen, ökonomischen, globalen und sozialen Problemen. Diesbezüglich ist sie zur Agenda 21-Schule ernannt und somit in Ihrer Arbeit um diese Aspekte ausgezeichnet worden. Mit dem jährlichen Projekt „Die vier Elemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft“ vermittelt die Schule den Kindern nachhaltige Lernerfahrungen, die sie befähigen sollen die Schlüsselprobleme gegenwärtiger und künftiger Gesellschaft zu bewältigen, u. a. die bewusste Wahrnehmung ihrer Lebenswelt, die Entwicklung von Werten, die Sensibilisierung für Umweltprobleme (ökologisch, ökonomisch und global gesehen).
  3. Förderung besonderer Begabungen: Besonders begabte Kinder werden früh identifiziert und in erster Linie durch individualisierende Enrichment-Angebote gefördert. Plus-Kurse im Drehtürmodell (Philosophie, Japanisch, Biotechnologie u. ä.) bringen „gleichgesinnte“ begabte Kinder zusammen und ermöglichen deren aktiv-konstruktive Beteiligung am Lernprozess. Kinder können eigene Ziele für den Kurs definieren, weitgehend selbstständig und kreativ arbeiten. Alle Kinder schreiben so genannte „Expertenarbeiten“, kleine Facharbeiten zu einem selbst gewählten Thema und halten vor MitschülerInnen einen „Expertenvortrag“. Maßnahmen der Akzeleration werden zurückhaltender genutzt.


Eltern als Partner

Sehr viel Wert wird an der Grundschule Amshausen auf einen partnerschaftlichen Austausch mit den Eltern gelegt. Der Kontakt zu den Eltern wird sehr frühzeitig, wenn die Kinder noch im Kindergarten sind, hergestellt. Ziel ist es, in eine für alle Seiten konstruktive Kommunikation über die Kinder zu treten. Auch kontinuierliche Elterngespräche, thematische Elternabende (zum Beispiel zu schulischen Themen wie „Hausaufgaben“) oder der Arbeitskreis Eltern-Lehrer zum Thema „Erziehung“ tragen dazu bei, dass ein verlässliches und vertrauensvolles Verhältnis und eine gemeinsame Zielrichtung in der Förderung der Kinder entstehen. Eltern werden hierbei als kompetente Unterstützer und als Experten für ihre Kinder wahrgenommen. Aber auch für eher bildungsferne Eltern, die schwerer zu erreichen und zu integrieren sind, wird viel getan. Es gibt eine „anonyme“ Elternsprechstunde, die von einer Schul-Sozialarbeiterin angeboten wird und die in Schul- aber auch Erziehungsfragen weiterhilft. Auch zeigen Eltern Initiative („Eltern mobilisieren Eltern“). So werden z.B. Eltern mit und ohne Migrationshintergrund von anderen Eltern zur Partizipation und Mitgestaltung bei Schulfesten motiviert. Hierdurch ergibt sich die Chance, dass kulturelle Besonderheiten (z.B. besonderes Essen) als Mehrwert für alle angeboten und präsentiert werden können. Das Thema Elternpartizipation und -integration wird also zur gemeinsamen Sache mit dem Ziel „alle ins Boot zu holen“.

Links

Homepage der Grundschule Amshausen: http://www.gs-amshausen.de/

Zum Schulprogramm: http://www.gs-amshausen.de/index.php?id=34